(Re)Start – Was braucht es jetzt für die Teamführung in Zeiten von Covid-19?


Vor Covid-19 herrschten in den meisten Unternehmen und Teams klare Strukturen, ein definierter Rahmen, in dem die Zusammenarbeit funktionierte und auch die nötige Nähe zwischen den Teammitgliedern, um die Kommunikation sicher zu stellen. Dadurch war gewährleistet, dass Teams und Betriebseinheiten gute Leistungen erbringen konnten. Die neue Realität der Pandemie hat diese Sicherheit erschüttert, und nun stellt sich die Frage, wie Teams auch unter den neuen Umständen konstruktiv und produktiv zusammenarbeiten können. Nach den Sommerferien und dem Lockdown gilt es, einen Weg zurück zu finden, um wieder gemeinsam erfolgreich zu sein. Viele Teams erleben eine Art Neubeginn, der Fragen aufwirft. Wie kann dieser (Re)Start gelingen? Wie arbeiten wir zusammen, wenn z. B. die Hälfte des Teams im Homeoffice arbeitet? Oder wenn Stellen gestrichen werden? Die Schritte und Fragen, die es für einen gelungenen (Re)Start braucht, erläutere ich in diesem Blogeintrag.

Zuerst aber ein paar Gedanken zur Arbeit in Teams von C. Nowak und M. Gellert aus ihrem Buch Ein Praxisbuch für die Arbeit in und mit Teams. Sie schreiben, dass sich die Teamarbeit um drei Themenschwerpunkte dreht:

1. Das Ziel – ein Team braucht einen gemeinsamen Auftrag

- Was ist der Auftrag Ihres Teams?

- In welchem Projektstadium befindet sich das Team?

- Welche Teilziele müssen nun angegangen werden?

- Welche Ressourcen sind vorhanden, werden benötigt?

- etc.

2. Das Ich – ein Team besteht aus Individuen

- Wie geht es dem einzelnen Teammitglied persönlich?

- Wie fühlt sich das einzelne Teammitglied in der Gruppe?

- Was braucht das Teammitglied, um seinen Job mit guten Leistungen zu erfüllen?

- etc.

3. Das Wir – ein Team lebt von der Zusammenarbeit

- Wie geht es der Gruppe? Wie ist die Stimmung?

- Wie funktioniert die Zusammenarbeit?

- Was braucht die Gruppe, um gemeinsam das Ziel zu erreichen?

- Wie läuft die Kommunikation?

- etc.

Diese Fragen rund um die drei Themenschwerpunkte fordern von der Teamführung folgende Schritte:

  • Klare, strukturierte Kommunikation sicherstellen

Wenn klar ist, wer wem in welcher Form welche Informationen zugänglich machen muss, kann das Team effizient arbeiten. Als Führungskraft müssen wir mit dem Team im Kontakt bleiben. Wir müssen dafür sorgen, dass die Teammitglieder auf dem aktuellen Stand sind.

Dazu können folgende Fragen helfen:

- Wer ist unter diesen Umständen wofür neu zuständig? 

- Wem wird wann Feedback gegeben?

- Besteht eine kommunikative Hol- oder Bringschuld? 

- Wie schafft es die Führungskraft, nah am Team zu sein und das „Ich“, also die einzelnen Individuen wahrzunehmen, um auf dem Laufenden zu bleiben?

  • Gemeinsame Normen für die Zusammenarbeit erarbeiten

Unter den gegebenen Umständen braucht das Team wieder Sicherheit. Die Teamführung gibt dem Team durch gemeinsam akzeptierte Normen die nötige Sicherheit. Das Team muss jetzt wissen, was unter den gegebenen Umständen zu beachten bzw. tun ist.

Hier könnten folgende Fragen helfen:

- Wie und wie oft finden die Teammeetings statt: virtuell, physisch oder hybrid?

- Wie wird die Arbeitszeit erfasst?

- Wie wird sichergestellt, dass die Arbeit nicht liegen bleibt, falls eine Kollegin in die Quarantäne muss?

  • Raum für informellen Austausch schaffen

Der Teamspirit lebt oft vom Austausch neben den normalen Sitzungen, z.B. im Kaffeeraum. Kreativität lebt davon, zusammen an Prozessen zu arbeiten. Sitzungen über Microsoft Teams oder Zoom etc. oder auch physische Meetings unter der Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln rufen eine andere Gruppendynamik hervor. Hier muss die Teamführung dafür sorgen, dass auch informelle Begegnungen ausserhalb des klassischen Meetingrahmens möglich werden, damit das Vertrauen und das gegenseitige Verständnis gestärkt werden können. Die Teamführung kann sich folgende Fragen stellen:

- Gibt es Raum für das „Wir", um über die neue Situation zu reden?

- Wie stärkt man den Teamspirit, wenn klassische Teamevents nicht mehr möglich sind?

- Wie können neue Gefässe geschaffen werden, in denen Innovation und Kreativität Raum finden?


  • Flexibilität und Akzeptanz stärken

Als Führungskraft ist von uns mehr Flexibilität gefordert, weil nicht alle im Team dieselben Vorstellungen und Möglichkeiten haben, unter diesen neuen Umständen zu arbeiten. 

Mitarbeiter*innen müssen in Quarantäne. 

Mitarbeiter*innen müssen unter Umständen mehr Verantwortung in der Familie übernehmen. 

Mitarbeiter*innen fühlen sich verunsichert oder isoliert.

Die Führungskraft muss das Team flexibler führen und in der Gruppe die gegenseitige Akzeptanz stärken, damit die Einheit und somit die konstruktive Zusammenarbeit gewahrt wird.

  • Neue Teammitgliedern mehr Zeit einräumen, um das Team kennenzulernen

Auch während Covid-19 werden neue Teammitglieder eingestellt. Die neue Realität fordert von der Führungskraft mehr Aufwand, um neue Teammitglieder*innen ins Team einzuführen.

- Wie wird das Kennenlernen des Teams ermöglicht?

- Wenn das Team nicht oder nur teilweise da ist, wie kann der Neuzugang gut zum Teammitglied werden?

- Wie wird das gegenseitige Vertrauen gestärkt?

Diese und andere Fragen muss sich die Führungskraft stellen.

Als Führungskraft ist es unsere Aufgabe, diese Fragen zu klären und dadurch wieder eine gemeinsame Basis zu ermöglichen, damit das Team weiterhin beste Leistungen erbringen kann. Edgar Schein schreibt in seinem Buch Prozessberatung für die Organisation der Zukunft: "Jede Gruppe oder Organisation muss stabile, sich wiederholende Prozesse entwickeln, will sie ihre internen Angelegenheiten regeln, ihre Mitglieder in die Lage versetzen, zusammenzuarbeiten, und sich als Gruppe sicher fühlen." S. 238

Hier meine Frage an die Leser*innen:

Fallen Ihnen noch mehr Fragen oder Punkte ein, die unbedingt bedacht werden müssen?

Ich würde mich über Kommentare freuen.

Weil das Leben sich wandelt – wünsche ich allen viel Freude und Kraft für die tägliche Führungsarbeit.

Bibliographie:

  • Gellert M. / Novak C. Teamarbeit, Teamentwicklung, Teamberatung, Ein Praxisbuch für die Arbeit in und mit Teams, 5. unveränderte Auflage 2014, Verlag Christa Limmer, Meezen

  • Edgar H. Schein, Prozessberatung für die Organisation der Zukunft , 3. Auflage 2010, EHP-Verlag Andreas Kohlhage, Bergisch Gladbach

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Mitglied beim Berufsverband für Coaching Supervision und Organisationsberatung

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